#FaceApp und Biometrische Daten

faceapp.com

Das Thema ist gerade brandaktuell: Die russische App FaceApp lässt euer Gesicht in Sekunden altern. Dahinter steckt eine Künstliche Intelligenz, die eine täuschend echte Alterung imitiert und das unter Zuhilfenahme eurer Biometrischen Daten. Was daran so gefährlich ist und warum wir grundsätzlich vorsichtiger mit unseren persönlichen Daten umgehen sollten, erfahrt ihr in diesem Beitrag!

Biometrische Daten

Wir benutzen in unserem Alltag eine Menge Apps mit denen wir unser Gesicht verändern können, Selfies pimpen oder lustige Gimmicks einbauen können. Die populärsten sind wohl die Snapchat-Filter, die Instagram– Funktionen und jetzt nun auch die FaceApp. Das Problem dabei: Wir liefern den Apps sehr persönliche und biometrische Daten: Unser eigenes Passfoto. Biometrische Daten lassen dabei mit fast eindeutiger Sicherheit einen Rückschluss zu einer Person zu. Beim Passbild werden dabei die Abstände von den Augen, die höhe der Stirn, die breite des Mundes und die Proportionen zueinander ausgewertet und gespeichert. Es wird quasi eine Landkarte des Gesichtes erstellt, ähnlich wie bei einem Fingerabdruck. Das funktioniert auch mit dem Auge (Irisscanner) und den Blutgefäßen (Venenscanner). Damit sind wir eindeutig identifizierbar. Gefährlich wird das wenn jemand unsere Daten ausnutzt und zweckentfremdet, beispielsweise um ein gefälschtes Konto auf Instagram oder Snapchat anzulegen. Es sind aber auch schon Fälle bekannt wo durch Identitätsdiebstahl Einkäufe oder Zahlungen gemacht wurden. Um uns davor zu schützen gibt es zwar Nutzungsbedinungen oder AGBs die ganz klar festlegen wie mit deinen Daten umgegangen wird. Im Zweifelsfall ist es aber immer besser, sparsamer mit deinen Daten umzugehen.

Nutzungsbedingungen und Datenschutzstandard

Die Europäische Union hat mit allen Ländern einen sehr strengen Datenschutzstandard geschaffen: Die DSGVO. Sie gibt jedem EU-Bewohner das Recht, jederzeit bei einem Unternehmen anzufragen welche persönlichen Daten zur Person gespeichert wurden und kann ebenfalls eine Löschung dieser Daten fordern. Außerdem fordert sie Datensparsamkeit: Es sollten so wenig wie möglich persönliche Daten gesammelt werden. Sie gibt außerdem auch vor wie die Nutzungsbedingungen oder AGBS gestaltet werden müssen. Das Problem dabei: Das Internet geht über die Grenzen von Europa hinaus. Steht ein Server außerhalb Europas, greifen diese Gesetze nicht mehr richtig. So ist es zum Beispiel bei der FaceApp: Die App kommt aus Russland und eure Bilder werden auch dort fernab vom europäischen Datenschutz gespeichert und verarbeitet. Deshalb steht die App auch gerade in der Kritik und die Entwickler versuchen nun den Datenschutz nachzubessern. Als letzte Maßnahme könnte Europa die App im Europäischen Raum auch sperren und aus den AppStores verbannen, wenn die Entwickler nicht nachbessern.
Problematisch sind aber auch die Nutzungsbedingungen der FaceApp. Mit der Benutzung der App erlaubt man nämlich den Entwicklern, das eigene Foto für gewerbliche Zwecke zu nutzen. Im Klartext bedeutet dies: Die Firma hinter FaceApp dürfte ein Werbeplakat mit eurem Gesicht drucken und es in der Öffentlichkeit aushängen. Das würde einige vielleicht sogar freuen. Aber die wenigsten Leute lesen die AGBs oder Nutzungsbedingungen und wären sicherlich überrascht, wenn dies passierte.

Fazit

Es macht in diesem Einzelfall keinen Sinn diese eine App wie FaceApp zu verteufeln. Viele der Apps die wir tagtäglich nutzen, gehen ähnlich vor: Wenn ich ein Bild in den Social Media teilen möchte, muss es eben gespeichert werden um für alle sichtbar zu sein. Trotzdem ist es gut, dass es gerade so eine hitzige Diskussion gibt: So findet eine Auseinandersetzung mit dem Umgang persönlicher Daten, insbesondere Biometrischer Daten statt und wir werden vorsichtiger und vielleicht auch datensparsamer. Außerdem sollten wir zukünftig wirklich mehr darauf achten, Apps und Anwendungen von Firmen zu nutzen, die in Europa ansässig und damit an die DSGVO gebunden sind. Bislang gibt es noch keine Alternative, aber das wird sich sehr bald ändern. Lassen wir uns also doch einfach noch ein bisschen Zeit, bevor wir gleich graue Haare bekommen 😉

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